Effektiver Jahreszins

Der effektive Jahreszins – jeder kennt ihn, aber was bedeutet er eigentlich?

Wer einen Ratenkredit oder ein Baudarlehen aufnimmt, der findet häufig zwei unterschiedliche Zinssätze in den ihm vorliegenden Angeboten. Das eine ist der sogenannte Sollzins, das andere der effektive Jahreszins. Beide Zinssätze unterscheiden sich, wobei der effektive Jahreszins immer niedriger als der Sollzinssatz ist. Der effektive Jahreszins soll dabei dem Verbraucher helfen, unterschiedliche Finanzierungs- oder Anlageprodukte vergleichbar zu machen.

Insbesondere bei Krediten kann das von großer Bedeutung sein, denn hier gibt es immer wieder interessante Lockangebote von Kreditinstituten, die mit sehr niedrigen Zinsen werben. In die Berechnung des effektiven Jahreszinses fließen dabei nicht nur die Zinszahlungen mit ein, vielmehr sind auch Kosten wie beispielsweise Bearbeitungsgebühren oder das sogenannte Disagio zu berücksichtigen.

Berechnung / Formel effektiver Jahreszins

Ein kleines Beispiel soll an dieser Stelle verdeutlichen, wie sich dabei der Sollzins vom effektiven Jahreszins unterscheidet. Angenommen wird ein Darlehen von 10.000 Euro mit einem Sollzinsatz von 5 % und einer Bearbeitungsgebühr von 300 Euro, die vom Darlehen abgezogen werden. Die Auszahlungssumme beträgt demnach nur 9.700 Euro. Zu Grund gelegt wird dabei die Berechnung nach der Uniform-Methode, bei der zunächst die Kreditkosten (hier 500 Euro Zinsen, plus 300 Euro Bearbeitungsgebühr) durch die Darlehenssumme geteilt werden.

Dieser Wert wird dann mit dem Quotienten 24/Laufzeit in Monaten +1 multipliziert. Es ergibt sich dabei der nachfolgende Rechenweg: 800 / 10.000 X 24 / 13 = 0,1476 oder 14,76 %. Anhand dieses sehr einfachen Beispiels ist schon erkennbar, dass der effektive Jahreszins erheblich bessere Aussagekraft gegenüber dem Sollzins erreicht. Bei Geldanlagen hilft der effektive Jahreszins ebenfalls eine bessere Vergleichbarkeit darzustellen.

Diese Anlageformen legen häufig das Geld erneut an, so dass ein Zinseszinseffekt entsteht, der ebenfalls durch den effektiven Jahreszins abgebildet wird. Wird bspw. eine Anlage in Höhe von 1.000 Euro genommen, die mit einem Zinssatz von 10 % über zwei Jahre verzinst wird, dann ergibt sich am Ende der Laufzeit mit Zinseszins ein Wert von 1.210 Euro (100 Euro Zinsen nach dem ersten Jahren, plus 110 Euro Zinsen im Folgejahr). Grob definiert lautet der effektiven Jahreszins in diesem Fall 10,5 % (Zinsen/Laufzeit)/eingezahltes Kapital.

Rechtliche Bestimmungen

Die Darstellung des effektiven Jahreszinses ist heute durch den Paragraphen 1 PAngV (Preisagebenvordnung) zwingend vorgeschrieben. In der Vergangenheit haben dabei Banken ein Verfahren genutzt, bei dem die Kosten verschleiert werden konnten und somit optimistischere Zinssätze errechnet wurden. Seit dem Jahr 2000 ist aber die Berechnung analog der Berechnung des internen Zinsfußes vorzunehmen. Im Gegensatz zur Berechnung nach der Uniform-Methode wird dabei ein mehrstufiges Verfahren durchlaufen, bei dem der Zinssatz erst mit nötiger Genauigkeit ermittelt werden kann.

Wer sich die Berechnung des effektiven Jahreszins einmal genauer anschaut, der wird feststellen, dass es kein mathematisch fest definiertes Verfahren gibt. Vielmehr ist entscheidend, das vom Gesetzgeber eine Formel definiert wird, die festhält, welche Kosten in welchem Umfang als Berechnungsgrundlage einfließen dürfen. Sind diese Annahmen getroffen, hat der Verbraucher erst einen genauen Vergleich unterschiedlicher Angebote. Aus diesem Grund ist die Berechnung auch europaweit einheitlich definiert worden. Insgesamt existieren darüber eine Vielzahl von Berechnungsmethoden für Annuitätendarlehen, Endfällige Darlehen oder der exakten Berechnung des Effektivzins bei handelbaren Anleihen.

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