Kredit trotz Insolvenz

Es musste eine Insolvenz eingeleitet werden. Eine Entscheidung, die den Betroffenen zunächst schockiert und an die Wand drückt. Warum gab es keine anderen Wege, dieses zu umgehen? Diese Frage stellen sich womöglich alle Menschen, die damit konfrontiert werden. Wie soll man in den nächsten sechs Jahren sein Leben finanziell wieder in den Griff bekommen, ohne das es den Insolventen schadet und alles ordnungsgemäß verläuft?

Insolvenz und Wohlverhaltensphase – kreditwürdig in dieser Zeit?

Die Insolvenz wirft viele Fragen auf und im Laufe der Wohlverhaltensphase geschehen oftmals Dinge, die vorher noch nicht einkalkuliert waren. Was geschieht, wenn plötzlich eine Ausgabe ansteht, sie eigentlich unumgänglich ist, weil sie lebensnotwendig ist? Woher soll man das passende Geld nehmen, um dieses ordentlich zu finanzieren?

Ein Kredit ist da immer oft die einzige und unumgängliche Lösung, doch wie sieht es aus, wenn man eine Insolvenz angemeldet hat und nun in eine Notsituation gerät? Geht das überhaupt, dass ein Insolvent einen Kredit beansprucht?

Insolvenzverfahren und Wohlverhaltensphase – eine andere Zeit mit anderen Gesetzen

Grundsätzlich sei dazu gesagt, dass man dem Insolventen nahelegt, keine neuen Schulden in der laufenden Phase zu produzieren. Er muss und soll lernen, dass man nichts mehr auf Raten kauft und nur Barzahlung oder Vorkasse die für ihn gängigen Zahlungsmodalitäten sind.

Man ist nach der Aufhebung des Verfahrens, welches bereits wenige Monate nach der Eröffnung der Insolvenz stattfindet, in einer Wohlverhaltensphase. Und genau dieses Wort sagt schon so vieles aus. Wohlverhalten ist hiermit auch gleichzusetzen, dass der Insolvent sich nicht wieder in Raten- oder Abzahlungen befindet. Und ein Kredit ist ein solches. Es sind wieder Schulden.

Dem Insolvent bleibt ein pfändungsfreies Monatseinkommen. Dieses reicht gerade aus, um zum Beispiel die Miete, die Nebenkosten und den Lebensunterhalt zu finanzieren. Alles was über diesen Satz geht, wird zu einem bestimmten Prozentsatz gepfändet. Für jegliche Raten oder Kredite könnte es dabei sehr eng werden.

Gibt es Ausnahmen?

Der Gesetzgeber sagt, dass man grundsätzlich wie schon erwähnt, keine neuen Schulden produzieren darf, doch was ist, wenn der Insolvent nun die Möglichkeit hat, sich ein neues berufliches Leben aufzubauen und dafür aber zwingend notwendig ein Fahrzeug benötigt, weil er mit öffentlichen Verkehrsmitteln den Arbeitsort nicht erreichen kann?

Die Banken sagen auch da ganz klar, dass Sie keine neue Finanzierung bewilligen. Die Banken der Autoindustrie haben im Grunde genommen die gleichen Vorschriften. Es gibt wenige Ausnahmen, dass eine Autofinanzierungsbank einem Kredit für einen Autokauf zustimmt. Vielleicht wenn der Insolvent jahrelang persönlich der Bank oder dem Händler bekannt ist, wenn eine zwingende Notwenigkeit gesehen wird, wenn feste Einkünfte vorhanden sind?

Individuell wird die Bank in solch einem Fall die Sachlage überprüfen. Aber trotz allem, selbst wenn der Kredit genehmigt wird, sollte man bedenken, dass dieses auch irgendwo wieder notiert wird und dem Gericht zum Ende des Abschlusses vorgelegt wird. Denn erst am Ende der Wohlverhaltensphase wird entschieden, ob der Insolvent nun eine komplette Restschuldbefreiung erlangen wird.

Und ob man es da gerne sieht, wenn neue Schulden gemacht wurden, das bleibt mit einem großen Fragezeichen stehen. Kredite bei Versandhäuser oder anderer Institutionen bleiben dem Insolventen vollkommen versagt, denn in der Schufa steht ein Eintrag und ein jeder Verkäufer ist berechtigt, danach zu handeln und nur per Überweisung oder Vorkasse den Einkauf zu akzeptieren.

Vorsicht bei Kredit ohne Schufa und Kredithaien

Verführerisch und vielleicht auch nur der letzte Ausweg sind Kredite bei Banken, die ohne Schufaauskunft Gelder dem Insolventen gewähren. Erhöhte Zinsen und versteckte Kosten sind in den meisten Fällen hier eingeflochten. Man profitiert von der Not des Insolventen.
Auch private Geldverleiher sollten mit Vorsicht zu genießen sein.

Wichtig ist, immer die eigene Wohlverhaltensphase zu sehen und zu lernen, Wege zu finden, sich nie selber zu schaden.

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